Alles über das Bauchhirn

…und warum es eine wichtige Rolle bei Magenbeschwerden spielt:

Magen-Darm-Probleme beim Hund kennt viele Ursachen …

Und als Hundeernährungsberater sollten wir sie alle kennen! 😉

 

Denn nicht immer liegt es an der drei Tage alten, halbverwesten, toten Maus, die direkt neben dem Straßenrand mit einem Happ aufgegabelt wurde, wenn der Magen verdächtig grummelt. Und nicht immer ist eine Unverträglichkeit Grund für Durchfall oder Erbrechen. Es gibt eben auch andere Auslöser für Unwohlsein im Magen-Darm-Trakt.

Natürlich sollte der erste Weg bei Beschwerden und Unsicherheit immer der zum Tierarzt sein. 

Trotzdem sollten gerade Probleme in der Magen-Darm-Gegend hinterfragt werden. Vor allem, wenn keine organischen Ursachen vorliegen und auch nach etlichen Tabletten, Spritzen & Co keine Besserung in Sicht ist.

 

Auch Tierärzte können manchmal ratlos sein. Und manchmal suchen Hundebesitzer dann genau bei uns nach Rat & Hilfe.

Aber warum kommt es trotz „völliger Gesundheit“ immer wieder zu Durchfällen oder Erbrechen?

Der Hund ist ein „Gefühlstier“ und leidet bei psychischer Belastung ebenso wie wir. Wir wissen alle, dass sich emotionaler Stress durch körperliche Fehlfunktionen äußern kann. Wer kennt das Bauchgrummeln nicht, wenn eine große Herausforderung vor der Tür steht. So ist es auch bei unseren feinfühligen Hunden, dass Stress körperliche Fehlfunktionen auslösen oder sie verschlimmern kann …

… eben auch Magen-Darm-Beschwerden.

 

Verantwortlich für den Einfluss von psychischer Belastung auf den Magen ist ein Bereich des Körpers, der leider noch relativ unerforscht ist. Der Körper ist ein so komplexes System, dass wir immer noch auf neue erstaunliche Informationen stoßen.

Von wem ich hier schreibe?

 

Vom Bauchhirn!

Was ist das Bauchhirn?

Die gesamte Verdauung des Hundes wird von Millionen über Millionen von Nervenzellen gesteuert. Hierbei handelt es sich um ein autonomes Nervensystem, das dem zentralen Nervensystem stark ähnelt. Und genau dieses Nervensystem sitzt im Darm und ist direkt mit dem Gefühlszentrum im Kopfhirn verbunden. Daher wird dieses Nervensystem auch Bauchhirn genannt.

Beide Hirne – also Kopfhirn und Bauchhirn – stehen ständig miteinander in Kontakt.

 

Durch diese Verbindung können also Gefühle, Gedanken und Erinnerungen eines Hundes durch die Ernährung oder Bakterienbesiedlung des Darms beeinflusst werden. Und daher ist das Bauchhirn ein wichtiges Thema für die Verdauung und artgerechte Ernährung.

Wofür ist das Bauchhirn verantwortlich?

Das Bauchhirn übernimmt für unsere Vierbeiner eine Reihe an Aufgaben. 
Es ist nicht nur der Spitzel des Kopfhirns, sondern analysiert sämtliche Nahrungszufuhr, die Produktion von Verdauungssekret, kontrolliert Hormone und regt den Transport des Futters an.

Außerdem ist das Bauchhirn lernfähig und reagiert gezielt auf bestimmte Reize.

Positive wie auch negative Erfahrungen werden vom Bauchhirn gespeichert und mit bestimmten Reaktionsmustern verknüpft (zum Beispiel bei negativen Erfahrung mit Durchfall oder Erbrechen) und immer wieder in denselben Momenten abgerufen.

 

Bei sensiblen Hunden reagiert der Körper leider sehr stark. Obwohl das auslösende Ereignis schon längst wieder vorbei ist, können Verdauungsstörungen tagelang anhalten. Wissenschaftler glauben auch an die Möglichkeit der Fehlkommunikation zwischen Kopfhirn und Bauchhirn. Ich denke, wir Menschen können diese Vermutung bestätigen …

Durch die geistigen Herausforderungen, die wir unserem Hund stellen, kommt es immer öfter zu Überforderungen. Die Erwartungshaltung, die wir ihm gegenüber haben, ist in den letzten Jahren sehr gewachsen. Er muss funktionieren. Bei Ausstellungen, Training oder Sport immer auf dem ersten Treppchen stehen. Als Therapie-, Rettungs- oder Begleithund immer in Bereitschaft sein.

 

Manche schaffen es nicht mehr, abzuschalten und zur Ruhe zu kommen …

Das logische Resultat ist Überforderung, die sich unter geringster emotionaler Anspannung mit Durchfall und Erbrechen äußert. Ist keine Entspannung in Sicht, können sich Fehlfunktionen verstärken und zu dauerhaften Magen-Darm- Beschwerden führen.

 

Aber wie kann das Bauchhirn besänftigt werden?

Wie kann ich das Bauchhirn unterstützen?

Wichtig ist es, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Das Erkennen der auslösenden Stressfaktoren und deren Elimination ist von größter Wichtigkeit. Durch eine gezielte Analyse der Ursache können konkrete Verhaltensmaßnahmen getroffen werden, um dem Hund durch Stresssituationen zu helfen.

Hier kommt unsere Aufgabe als Hundeernährungsberater wieder ins Spiel.

 

Verdächtigst du das Bauchhirn hinter Magen-Darm-Beschwerden, ist es wichtig, deinem Kunden viele Fragen zu stellen. Was könnte Auslöser für den Stress sein? Oft kommt es hier auch zu einer gemeinsamen Zusammenarbeit mit Hundetrainer.

Artgerechte Ernährung spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie sollte leicht verdaulich sein und nicht zu lange im Magen liegen. Mit welcher Ernährungsform du gestresste Hunde unterstützen kannst, besprechen wir zu einem späteren Zeitpunkt genauer!

 

Natürlich gibt es noch weitere Möglichkeiten, das Bauchhirn zu unterstützen.

Probiotika & Präbiotika fürs Bauchhirn

Bestimmt hast du schon davon gehört – von den sogenannten Probiotika und Präbiotika. Doch wofür genau sind sie zuständig und woraus bestehen sie?

 

Probiotika sind lebende Mikroorganismen (lebende Bakterien oder Pilze), die sich in ausreichenden Mengen positiv auf die (Darm-)Gesundheit auswirken können. Sie wachsen und vermehren sich im Darm und haben sogar eine antibakterielle Wirkung gegen Krankheitserreger. Wenn der Hund nun einen gestärkten Darm hat, kann sich das Bauchhirn aufs Wesentliche konzentrieren und ist demnach nicht so schnell überfordert.

Der Hund kann Probiotika entweder als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen oder aber wir greifen auf Lebensmittel zurück, die mit Hilfe einer bakteriellen Fermentation hergestellt wurden. Zu den probiotischen Lebensmitteln gehören zum Beispiel Joghurt, Kefir, Sauerkraut, Tempeh (Fermentationsprodukt aus Indonesien), Kimchi (koreanische Zubereitung von Gemüse durch Milchsäurebakterien) … Wenn also euer Hund an Durchfall gelitten hat und somit sein Darm sehr angeschlagen ist, könnt ihr jetzt vermehrt diese Produkte anbieten, denn sie helfen ihm beim Darmfloraaufbau.

Bekannte Probiotika sind Laktobazillen, Bifidobakterien, Enterokokken und Hefepilz. Produkte, in denen diese speziellen Stoffe enthalten sind, bekommt ihr vom Tierarzt oder aber auch in Zoofachgeschäften. Eines der bekanntesten Mittelchen ist wohl das Enteroferment, welches man vom Tierarzt erwerben kann. Hilfreich sind Probiotika auch nach Antibiotika- und Wurmkuren, denn hier wird der Darm ebenfalls sehr beansprucht.

 

Präbiotika hingegen sind Nährstoffe, die als Nahrung für die probiotischen Mikroorganismen im Darm zur Verfügung stehen. Sie sind also nicht verdauliche Lebensmittelbestandteile, die diese Bakterienstämme zur Aktivität oder zum Wachstum anregen.

In natürlicher Form sind sie in Chicorée, Schwarzwurzeln, Topinambur, Yacon und vielen anderen Pflanzen enthalten. Hierbei spielt Inulin eine wichtige Rolle. Weitere wichtige Präbiotika sind Fructooligosaccharide, die in Karotten (in verarbeiteter Form, wie zum Beispiel die bekannte Moro-Karottensuppe) oder Bananen, aber auch in Gerste, Roggen und Weizen enthalten sind. Damit nun unsere Probiotika so richtig viel Kraft erhalten, ist es sinnvoll, auch diese Lebensmittel zu kombinieren, da ihr Hunger somit optimal gestillt ist.

Fällt euch bei diesen Produkten vielleicht sogar etwas auf?

 

Wo sie heutzutage schon vermehrt benutzt werden?

 

Naa? Ideen?

 

Ich verrate es euch! Lest mal die Zusammensetzung von hochwertigeren Fertigfuttern durch!

 

Viele Futtermittelhersteller benutzen diese Pflanzen, um schon im Vorfeld dafür zu sorgen, dass der Darm besänftigt ist bzw. bleibt! Ganz schön schlaue Kerlchen! 😉

Alle genannten Produkte können natürlich auch in die tägliche, abwechslungsreiche Fütterung miteinbezogen werden! Zu beachten ist allerdings, ob unser Vierbeiner auch alles gut verträgt! Laktosehaltige Lebensmittel sollte man mit Vorsicht genießen, da es hier schnell zu Unverträglichkeiten kommen kann.

Fazit

Nur wenige Hundebesitzer kennen die Funktionen des Bauchhirns – oder haben schon mal davon gehört. 😉 Daher ist es unsere Aufgabe als Hundeernährungsberater, zukünftige Kunden über das Nervensystem und seine Empfindlichkeit aufzuklären. Außerdem wissen wir jetzt, dass die richtige Auswahl an Probiotika und Präbiotika das gestresste Bauchhirn unterstützen kann. Wissen, mit dem du bestimmt bei zukünftigen Kunden – oder Freunden, Bekannten, der Familie … – punkten wirst.

 

Schließlich weiß kaum wer, dass das Bauchhirn exisitiert. 🙂

 

Nur du zählst jetzt zu den Auserwählten! 😉

Über die Autorin, Corina Stummer

 

Seit über 4 Jahren arbeite ich nun schon in der Hundebranche und unterstütze täglich zahlreiche Kunden bei der Produktwahl für ihren Liebsten! Jetzt ist es für mich an der Zeit meinen eigenen Weg zu gehen. Als Co-Trainerin unterstütze ich Paulina mit meinem Wissen als Hundeernährungsberatin – und natürlich alle Mitglieder unseres Rudels!

 

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