Qualitätscheck: Fertigfutter

So erkennst du hochwertiges Futter

Das Fertigfutter in Form von Nass- und Trockenfutter ist oft verschrien und doch extrem beständig am Markt an erster Stelle.

Also es ist der Marktführer.

Für viele ist es  in der Handhabung viel einfacher als selbsterstellte Rationen und wird aus diesem Grund als Grundnahrungsmittel für Hunde genommen. Durch die vielen Sorten und Marken wird der Verkauf und der Einkauf aber immer schwieriger. Hundebesitzer sind verwirrt, verunsichert und wissen absolut nicht mehr, was denn wirklich auf der Verpackung stimmt… Sie meinen sogar, dass der Hersteller versucht uns in die Irre zu führen.

Die Fragen die sich hier für mich und viele andere Hundebesitzer stellen, sind:

• Wie erkenne ich ein gutes Fertigfutter? 

• Mit welchen Tricks schummeln Hersteller bei der Deklaration?

• Kann ich Fertigfutter überhaupt noch trauen? 

In diesem Artikel findest Du was auf der Verpackung wirklich stehen muss – und auf welche Kriterien du beim Kauf achten solltest! Leider gibt es nicht deeeen Hinweis schlecht hin. Es gibt mehrere Punkte, an der wir die Qualität unseres Fertigfutters „erahnen“ können.

Kleiner Tipp am Rande? Bevor du zum Lesen beginnst, schnapp dir doch eine Dose Fertigfutter, mit der du deinen Vierbeiner regelmäßig fütterst. So kannst du gleich kontrollieren, ob dein Futter alle Ansprüche erfüllt! 🙂

 

Start: Die Basics 

 

Bevor wir die Qualität von Fertigfutter unter die Lupe nehmen, starten wir bei der fundamentalen Basis. Denn um um Fertigfutter „lesen zu können,“ müssen wir es vor allem in drei Kategorien gliedern können. Es wird zunächst in (1) Einzelfuttermittel, (2) Ergänzungsfuttermittel und (3) Alleinfuttermittel unterteilt.

(1) Einzelfuttermittel: Diese Art von Futtermittel besteht aus lediglich 1 Komponente und ist nicht für die alleinige Fütterung bestimmt. Diese Art von Futtermittel wird verwendet um eine bestimmte Nährstoffquelle anzubieten. Ein ganz typisches Beispiel wäre die nicht vitaminisierte bzw. mineralisierte Fleischdose.

(2) Ergänzungsfuttermittel… Unter Ergänzungsfuttermittel werden Futtermittel verstanden, die aus mindestens zwei oder mehreren Komponenten bestehen. – auch sie alleine reichen nicht aus, um unsere Fellkugeln mit allen Nährstoffen zu versorgen. Ein Beispiel wären gebackene Leckerliskekse oder eine Nassfutterdose, die aus Gemüse und Fleisch besteht, aber nicht mineralisiert wurde, sodass sie nicht als alleinige Fütterungsform angeboten werden sollte. Aus der Kombination von EInzelfuttermitteln und Ergänzungsfuttermitteln kann ich mit genügend Know-How ein Alleinfuttermittel zusammenstellen. Da komme ich schon zum dritten und letzten Punkt in dieser Gliederung.

(3) Alleinfuttermittel… Das Alleinfuttermittel ist das einzige von den dreien, dass den gesamten Nährstoffbedarf des Vierbeiners (ohne weitere Zusätze) deckt. Es ist ein geschlossenes System, das den Körper mit allem was er braucht versorgt. ACHTUNG: Hier sollten keine weiteren Supplemente mehr ergänzend angeboten werden. So – jetzt bist du dran! Such auf der Verpackung deines Futters die Kategorie und beantworte für dich selbst die Frage: “ Ist mein Hund mit dem Futtermittel mit allem was er braucht versorgt?“

Heute widmen wir uns ganz  gezielt dem Alleinfuttermittel, welches wir in Trockenfutter und Nassfutter gliedern wollen. Trockenfutter ist tatsächlich das Futter das am meisten gekauft und verfüttert wird, während Nassfutter immer mehr den Kampf aufnimmt an die Spitze zu gelangen. Für beide Sorten gelten dieselben Deklarationsvorschriften – und JA, es gibt sowohl für Trocken- als auch für Nassfutter Vor- & Nachteile.. Aber kommen wir kurz zu einem etwas „trockenen“ Teil, der manchmal  (vor allem für mich) sehr spannend sein kann:

Grundanforderungen, die auf der Verpackung stehen müssen:

Bevor es also wirklich spannend wird, kommen wir zu den rechtlichen Grundanforderungen, die auf der Verpackung stehen müssen. Du findest sie auf jedem Fertigfutter. Das klingt vielleicht im ersten Moment ziemlich langweilig.

Aber hier machen die ersten Hundebesitzer bereits einen Fehler und fallen auf eine rechtliche Grauzone herein…

  • Futtermittelart: Einzelfuttermittel, Alleinfuttermittel, Ergänzungsfuttermittel
  • Zulassungsnummer
  • Liste an Zusatzstoffen: Hier sollten wir ganz ganau darauf achten, was angegeben wurde.
  • Feuchtigkeit: Die Feuchtigkeit muss erst ab einem Anteil von 14% angegeben werden. Trockenfutter ohne Angabe der Feuchtigkeit werden mit ca. 10% betrachtet
  • Kennnummer 
(Chargennummer)
  • Nettomasse

Bis jetzt ziemlich langweilig? …

Aber jetzt wird es spannt:

  • Name oder Anschrift der verantwortlichen Person: Eine wirklich interessante Angabe, ist die Angabe des Inverkehrbringers. Es ist nunmal so, dass nicht der Hersteller selbst genannt werden muss, sondern es reicht, wenn die vertreibende Firma als verantwortliche Person genannt wird. Somit sieht man oftmals gar nicht, wer und wo das Produkt tatsächlich hergestellt hat bzw. wurde. Ein Beispiel: Würde ich, also Dogtisch, ein Produkt in Auftrag geben und es in Asien von einer Firma produzieren lassen, würde es reichen meinen Namen auf die Verpackung zu schreiben und es würde aussehen, als hätte ich es selbst produziert. Viele Käufer achten genau auf diese Deklaration und vertrauen auf die Angabe. Leider ist die Angabe des Inverkehrbringers nicht ausreichend genug, um die Qualität & Herkunft des Fleisches erkennen zu können.

Bist du also gerade auf der Suche nach einem geeigneten Fertigfutter für deinen Vierbeiner, empfehle ich dir vorab eine ausführliche Internetrecherche!

Bei Einzelfuttermitteln und Mischfuttermitteln gibt es noch weitere Deklartionsvorschriften, die eingehalten werden müssen. An die verpflichtenden Angaben anknüpfend, gibt es auch freiwillige Kennzeichnungsmöglichkeiten, die dem Hersteller bzw. demjenigen der das Futter in Verkehr bringt, selbst überlassen sind. Zu beachten ist jedoch, dass nach Artikel 16 BasisVO ggg. I V. m. Artikel 4 Abs. 2 Satz 2 FMKV, die Aufmachung der Verpackung und die Kennzeichnung nicht irreführend sein dürfen

Was mich direkt zu Teil 2 führt…

 

Geschlossene & offene Deklaration 

Die Angabe über die enthaltenen Inhaltsstoffe, auch als Zutaten bezeichnet, richtet sich nach den allgemeinen Bestimmungen. Die Inhaltsstoffe zeigen welche Futtermittel miteinander komplettiert wurden.

Hier erkennen wir (zum Teil) die Qualität des Fertigfutters. 

Total interessant ist, dass die Zutaten rechtlich nicht schriftlich festgehalten werden müssen.

Kein Scherz. Die Zutaten des Fertigfutters können auch als graphische Darstellung auf die Verpackung gedruckt werden. Ein Bild oder ein Diagramm reicht somit aus. Wählt man Worte oder Zahlen als schriftliche Darstellung, muss auf die Wortwahl geachtet werden (unten findest du dazu mehr).

Einige Hersteller berufen sich bei dieser Art von geschlossenen Deklaration auf ihr „Rezepturgeheimnis“, doch in Wahrheit haben sie mit der Deklarationsweise schlichtweg mehr Möglichkeiten die einzelnen Zutaten auszutauschen, ohne es auf die Verpackung schreiben zu müssen. Denn Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse könnte sehr viel sein.

Daher sollten alle Frauchen & Herrchen, die einen Allergiker-Hund Zuhause haben, lieber zu Fertigfutter mit sogenannter „offenen Deklaration“ greifen. Sie gibt Aufschluss und Prozentangaben, von was wie viel drinnen ist.

 

Was „offene Deklaration“ bedeutet?

 

Ein Beispiel:

 

Futtermittel:
Kalbsherzen (44%), Lunge vom Kalb (16%), weißer Spargel (6%), Kartoffel (6%), Zucchini (6%), Hirse (6%), Erdbeeren (4%), Holunderblüten (0,5%), Leinöl, Rosmarin, Thymian, Bio-Eierschalenpulver, Seealge, Mineralerde

Die einzelnen Zutaten sind offen und klar deklariert. Wir erkennen was und wie viel davon enthalten ist. Meiner Meinung nach ist diese Art der Deklaration zu bevorzugen. Warum? Ich möchte wissen, WAS im Napf meines Hundes landet. Natürlich könnten wir nun wieder einen Schritt weitergehen und uns Gedanken machen, in welcher Form die Kartoffeln zugesetzt wurden. Waren es frische Kartoffel, Kartoffelmehl oder vielleicht Kartoffelstärke? Das wäre mit fast jeder Zutat möglich. Je offener der Hersteller oder die Marke mit ihren Zutaten ist, desto sicherer kann ich mir sein, zu wissen, was wirklich im Futter enthalten ist.

Aber was sollte im Fertigfutter enthalten sein?

 

Inhaltsstoffe im Überblick: 

Was dein Hund wirklich braucht, kannst du vielleicht selbst ermitteln oder von einem guten Ernährungsberater ermitteln lassen. Denn es spielen viele Faktoren eine wichtige Rolle. Gewicht, Alter, Rasse, Gesundheitszustand, Aktivität und und und.. Doch allgemein gibt es für die Zutaten natürlich Richtlinien, die wir beachten können.

Welche Zutaten sind nun wirklich artgerecht und was will der Hundebesitzer lesen bzw. in der Dose vorfinden? Ganz klar – der Trend geht zu der sogenannten BARF Fütterung. Das bedeutet, dass auch das Dosenfutter eine Beute nachahmen sollte. (Ob das sinnvoll und überhaupt möglich ist, möchte ich an dieser Steller nicht weiter diskutieren.)

Dieses Beutetier sollte mit folgendem Bestandteilen „nachgebaut“ werden.

Klingt vielleicht selbstverständlich – ist es nicht. Einige billig Hersteller verzichten bei der Produktion auf Zutaten, die unserem Hund gut tun. Was im ersten Moment für Hundebesitzer als „selbstverständlich“ klingt, ist es leider nicht.

Ein paar Komponente im Überblick: 


Muskelfleisch:
eine sehr wichtige Komponente – ein hochwertiges Muskelfleisch ist notwendig, damit der Körper körpereigene Substanzen aufbauen kann! Achtung: Es sollte Muskelfleisch von allen Körperregionen eines Beutetiers und nicht nur vom Kopf gefüttert werden. (an die ewigen Kopffleischfütterer – bietet eurem Hund auch mal ein anderes Muskelfleischstück an). Zum Muskelfleisch zähle ich auch den Pansen. Achtung an alle Fertigfutter-Fütterer: Der in der Dose verarbeitete Pansen ist nicht mehr „grün“, sondern geputzt (wird auch als „weiß“ bezeichnet)  und ist für unsere Vierbeiner etwas schwerer verdaulich!

Innereien: Leber, Milz, Niere, Herz und Lunge gehören in einem Beutetier zu den inneren Organen und somit zu den Innereien. JA JA JA Herz ist ein starker Muskel – trotzdem ist es eine Innerei! 🙂 Leber wird gerne in Futtern verarbeitet, da sie in gekochter Form Hunde anregt, das Futter zu fressen. Milz und Niere enthalten viele wichtige Nährstoffe und können auch in einem Nassfutter integriert sein. Lunge ist im Vergleich nährstoffarm und zählt eher zu den schwer verdaulichen Komponenten. Generell sind Innereien schwerer verdaulich und sollten nicht in allzu großen Mengen im Fertigfutter gefunden werden.

Knochen: Werden kaum in Nassfutter verarbeitet – es wird eher auf ein Knochenmehl zurückgegriffen – Ist auch gut so, denn ein Hund sollte aufgrund der Verletzungsgefahr niemals ganze gekochte oder anders erwärmte Knochen erhalten.

Gemüse und andere Kohlehydrate: In Nassfuttern werden wie auch bei einem Trockenfutter Kohlehydrate eingesetzt. Sie decken den Bedarf an Rohfasern und Energie. Rohfasern sind notwendig um den Darm „zu beschäftigen“. Mit stärkereichen Kohlehydraten wird Energie in die Ration integriert. Reis, Kartoffeln, Kürbis, Süßkartoffeln, Maniok, Buchweizen, Amaranth, Quinoa und noch ganz viele Kohlehydrate werden hierzu eingesetzt. Sollte dein Hund an Krebs, Diabetes, Epilepsie oder Gelenkserkrankungen leiden oder eine Allergie auf Getreide haben, empfehle ich getreidefreies Futter zu wählen.

Die Inhalte & Zutaten unseres Fertigfutters geben uns nur einen groben Einblick in die Dose. Hier müssen wir den Hersteller blind vertrauen. Leider. Doch Gott sei Dank finden wir auf unserer Verpackung noch andere Aufzählungen, Kriterien, die uns wieder ein wenig weiterhelfen. Nämlich die…

 

Analytische Bestandteile:

Forscherbrillen aufgesetzt! Jetzt geht es ans eingemachte.

Unter dem Begriff „analytische Bestandteile“ versteht man den Nährstoffgehalt im Fertigfutter. Neben den Zutaten und der Herkunft des Futters, haben wir hier zumindest Einblick in die Zusammensetzung. Bevor ein Hersteller sein Fertigfutter am deutschsprachigen Markt verkaufen darf, muss er verpflichtend eine Analyse durchführen lassen. Diese Analyse wertet die Verteilung der analytischen Bestandteile für uns aus.

Du findest die Auskunft über die analytischen Bestandteile auf jedem Futtermittel. Sie müssenangegeben sein. Doch – und jetzt wird es wieder spannend – sagt uns diese Angabe wirklich etwas über die Qualität des Futters aus?

  • Rohprotein: Der %-Anteil von Rohprotein verrät, wie viel Eiweiß sich gesamt im Hundefutter befindet. Das angegebene Protein kann sowohl von Muskelfleisch oder pflanzlichen Stoffen stammen. Diese unterscheiden sich nicht nur in der Qualität, sondern auch in der Verdaulichkeit für unseren Hund. Generell braucht der Hund mehr tierisches Protein, denn das Verhältnis der darin enthaltenen einzelnen essentiellen Aminosäuren ist wichtig. (Stichwort Liebig´sches Fass). Ein kleiner Hinweis: Wir können Trockenfutter und Nassfutter nicht direkt miteinander vergleichen. Wir müssen beide Sorten immer auf die Trockensubstanz umrechnen. Nur dann können wir eine qualitative Antwort abgeben. Bei Trockenfutter finden wir oftmals einen im direkten Vergleich höheren Anteil an Rohprotein und in Nassfutter einen etwas geringeren Anteil.  Der Unterschied entsteht durch den hohen Wassergehalt von Nassfutter (ca. 75%).
  • Rohfaser: Unter Rohfaser werden schwer oder unverdauliche Ballaststoffe von pflanzlichen Fasern verstanden. Warum der Hund pflanzliche Fasern braucht? Vielleicht klingt die Komponente im ersten Moment unwichtig – ist sie aber nicht. Rohfasern halten die Kotkonsistenz unserer Hunde in Balance. Sie regen den Darm an und unterstützen ihn beim Arbeiten. Da Fleisch & Co keine pflanzlichen Fasern haben (auch der weiße Pansen nicht), entsteht dieser Wert durch die Zugabe von Obst & Gemüse. Meine Empfehlung liegt zwischen 1,5 und 2% in der Trockensubstanz. Zu viel % ist für den Hundedarm auch nicht gut.
  • Rohfett: Der Rohfett-Gesamtwert ist die Summe aller Fette die im Futter enthalten sind. Also, sowohl tierische als auch pflanzliche Fette. Auch unlösliche Fette wie das Vitamin A werden hier dazugezählt. Auch hier haben wir nur wenig Einsicht, welches Fett im Futter steckt. Manche Hersteller aber benutzen hochwertiges und gutes Fett für unsere Fellkugeln. Wie viel % Rohfett für den Hund gut ist, ist unterschiedlich. Je nachdem wie aktiv unser Tierfreund ist, darf es mehr oder weniger sein. Bei Welpen darf es gerne auch ein bisschen mehr sein. Sie brauchen jetzt besonders viel Fett um genug Energie fürs Spielen, Raufen und Blödsinn machen zu haben. 😉 Aber natürlich bit Maß und Ziel – denn ein zu schnelles Wachstum wäre nicht gut.
  • Rohasche: Keine Sorge. Es wird keine Asche von Lebewesen ins Futter gemischt. Die Rohasche zeigt uns an, wie viel Mineralien und Spurenelemente im Futter enthalten sind. Würdest du also (reintheoretisch) das Fertigfutter verbrennen, würden diese Stoffe überbleiben. Liegt der Rohasche-Wert deutlich über 5%, kann dies ein Hinweis dafür sein, dass viele Knochen oder Federn bei der Verarbeitung dazu gekommen sind. Federn & Co machen aber ordentliche Probleme mit der Verdauung. Natürlich würde dein wilder Hund auch Federn und Knochen fressen, ich weiß. Trotzdem müssen wir meiner Meinung nach den Organismus nicht unnötig und zusätzlich belasten. Im Internet findet man auch oft die Information, dass ein hoher Rohasche-Gehalt gut für den Vierbeiner ist, da er einen erhöhten Mineral- und Spurenelemente-Gehalt aufweist. Hier gehen die Meinungen also auseinander.

Fazit:

Analytische Bestandteile geben uns nur einen kleinen Einblick in die Zusammensetzung des Fertigfutters.  Ein hoher %- Anteil mag im ersten Moment wunderbar klingen, aber das verwendete Fett kann genau so ein Altöl sein. Eine gute Möglichkeit für Hersteller Verstecken zu spielen. Dieses „Versteckspiel“ funktioniert nicht nur bei den analytischen Bestandteilen wunderbar, sondern auch bei bekannten Marketingtricks und Schummeleien…

„Wie viel Huhn ist wirklich drinnen?“

Schon mal „Huhngeschmack“ auf einer Verpackung gelesen?

Die traurige Nachricht ist:  Huhn muss hier rechtlich gar nicht enthalten sein.

In den meisten Fällen entsteht der Huhn-Geschmack durch das Beifügen von Zusätzen, wie Aromen. Falls du dich also schon immer mal gefragt hast, „Wie viel Huhn ist wirklich drinnen?“, ist die Frage durchaus berechtigt.

Was Fertigfutter-Hersteller zum Marketingzweck sagen dürfen und was nicht, ist natürlich rechtlich geregelt.

Welche Regeln das sind, liest du hier: 

• „mit Huhngeschmack“ : Hier muss mehr als 0% aber weniger als 4% Huhn enthalten sein

• „reich an Fisch.“ „extra Fisch“ „mit extra Fisch“: Mindestens 14% Fisch muss enthalten sein

• „Menü von der Ziege“ „…Ziege“: Mindestens 26% Ziege muss enthalten sein

Das Wort „natürlich“ bildet die Grundlage für Futtermittel denen nichts zugefügt wurde und die ausschließlich Verarbeitungsprozessen (Frieren, Räuchern, Trocknen, Konzentrieren etc.) unterzogen wurden. Ein Mischfuttermittel ist nur dann natürlich, wenn jeder Bestandteil auch natürlich ist. Ein Wort, auf dass du definitiv achten solltest!

Das Wort „frisch“ darf nur dann verwendet werden, wenn das Futtermittel ausschließlich gekühlt wurde (z.B. rohes Futter/BARF) Wird das Futtermittel Kochen, Trocknen, Backen, Pelletieren und anderen Prozessen der Verarbeitung unterzogen, darf das Wort „frisch“ gesetzlich nicht mehr verwendet werden. Vielleicht liest man es deshalb so selten. 😉

 

Eine beliebte Marketinglüge auf der Verpackung…

Aufschrift: tierische Produkte der Kategorie 3 – schon mal gelesen?

Manche Firmen nehmen es als Aushängeschild, dass sie nur Produkte genau dieser Kategorie verwenden.

Schauen wir mal genauer hin:

Es gibt genau 3 Kategorien, in die tierische Nebenprodukte gegliedert werden:

Kategorie 1:
Kranke Tiere, tote Heimtiere, Versuchstiere, BSE – Risiko, mit Chemikalien kontaminiertes Fleisch

Kategorie 2:
Magen – Darm Inhalt, Gefallene Wildtiere, Schlachtkörper mit Krankheitsmerkmalen

Kategorie 3:
Schlachtnebenprodukte von tauglichen Tieren, die für den menschlichen Verzehr gedacht waren; Genusstaugliche Schlachtkörper, die nicht kommerziell verkauft werden, Rohmlich, Blut

Nun verrate ich euch…

Es dürfen ausschließlich nur Bestandteile der 3. Kategorie (K3) in Hundefutter verarbeitet werden. Produkte der 1. Kategorie werden vernichtet und Produkte der 2. Kategorie in Biogasanlagen verarbeitet. Somit ist es verständlich, dass ALLE Hundefuttermittel aus der 3. Kategorie bestehen müssen.

 

„Schonend Dampfgegart?“ Wirklich?

Natürlich wollen wir, dass unsere Hunde so gesund wie möglich zu fressen bekommen und „schonend dampfgegart“ klingt klarerweise sehr verlockend. Doch wir sollten eines nicht vergessen: Wie schonend kann der Prozess tatsächlich ablaufen, wenn es sich um eine Sterilisation handelt?

Das zu verkaufende Produkt MUSS auf 121°C Kerntemperatur und 1 BAR Überdruck erhitzt werden, damit es keimfrei ist und in der Verpackung nicht gären kann. Diesen Prozess nennt man Autoklavierung und ist gesetzlich vorgeschrieben. (Denk an das Einkochen von der Oma – auch sie muss ihre Gläser steril halten!)

Kleiner Überblick über die einzelnen Vitamine und ihre Beständigkeit während des Erhitzens:

  • Vit C: 190–192 °C
  • Vit A: 61–63 °C
  • Vit D: 84–85 °C
  • Vit B 12: 392 °C
  • Biotin: 232–233 °C
  • Panthotensäure: ca. 120 °C
  • Vit B6: 159−162 °C
  • Folsäure: 250 °C

Jeder von uns selbst kann nun entscheiden, ob eine Autoklavierung tatsächlich einen schonend dampfgegarten Prozess darstellt.

 

Was ist wirklich BIO?

Muss BIO drin sein, wenn BIO draufsteht? Ja, muss es! Aber nicht alles…

Erst, wenn alle Zutaten aus biologischem Anbau oder Haltung stammen, ist ein Produkt „BIO“. Dann hat dieses Produkt die Berechtigung, ein nationales oder auch internationales Bio-Siegel aufgedruckt zu bekommen. Also Augen auf, was denn wirklich BIO ist.

 

Fazit: 

Puh. Das war ja jetzt ganz schön viel Stoff. 🙂

Wir haben also gelernt, dass sich die Qualität von Fertigfutter nicht anhand EINER Komponente feststellen lässt. Leider müssen eine Vielzahl an Kriterien beachten, nämlich (1) die wirkliche Herkunft, (2) die Art der Deklaration, (3) die Zutaten und (4) die analytischen Bestandteile – auch diese Faktoren lassen uns die Qualität nur erahnen. Manche Hersteller erkennen den Frust der Konsumenten und gewähren bereits genaueren Einblick in die Produktion. Aber auch sie gehören eher zur Seltenheit. Egal, wohin der Trend noch führen mag, es wird immer einen Marketingplan geben. Für uns ist es wichtig, uns immer auf das Wesentliche zu konzentrieren und es objektiv zu beleuchten.

So traurig es für uns bemühte Hundebesitzer vielleicht auch klingen mag: Schlechtes Fertigfutter wird es Markt immer geben. Genau so, wie es immer Hundebesitzer geben wird, die sich leider keine Gedanken über artgerechte Ernährung machen. Das ist eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss, meiner Meinung nach. Eine Entscheidung, die im Extremfall aber auch über Allergien oder typische Neuzeiten entscheiden kann.

Ob Fertigfutter oder BARF? Darüber könnte ich glatt noch einen elendslangen Artikel schrieben. 🙂

Marketing ist in der Hundefutterbranche genauso wichtig wie überall sonst auch. Jeder versucht, sein Produkt auf ein Treppchen zu stellen und es in einem guten Licht leuchten zu lassen – verständlich, oder?

Als Hundeernährungsberaterin berate ich meine Kunden zu beiden Konzepten. Beides hat seine Vor- und Nachteile – und ich kann Hundebesitzer natürlich verstehen, wenn ihnen BARF zu viel Aufwand ist. Aber dieses Thema vielleicht wann anders. 😉

Ich hoffe, ich konnte dir einen kleinen Einblick in die Welt des Fertigfutters geben.

Auf welche Kriterien achtest du, um die Qualität von Fertigfutter zu erkennen?
Ich würde mich über dein Kommentar freuen!

Alles Liebe, Paulina Adamczyk

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Über die Autorin, Paulina Adamczyk

Seit über 3 Jahren helfe ich als selbstständige Tierernäherungsberaterin Hunden zu mehr innerem Wohlbefinden – durch artgerechte Ernährung und die Kraft von Heilkräuter, Vitalpilzen und Aromaölen. Keine leichte Mission. Denn jeder von uns und auch unserer Lieblinge hat besondere Ansprüche. Jeder Topf hat seinen Deckel – und jeder Hund seinen Napf! 😉 Daher liegt es mir am Herzen, Hunde mit artgerechter Ernährung zu unterstützen und Frauchen & Herrchen aufzuklären.

8 Kommentare

  1. Wieviel Prozent rohasche sind gut??? Und wie steht es mit den Tieren, die heikel sind und viel Abwechslung brauchen? Ist das gut, oder sind sie „verwöhnt“? Und wie sieht es mit bio Nahrung aus??? Liebe Grüße

    Antworten
    • Liebe Karin,

      Gute Fragen – Je weniger Rohasche enthalten ist, desto weniger Mineralstoffe, Sand und andere unverbrennbare Substanzen sind enthalten. Zwischen 1 – 3 % Rohasche ist ok. Je höher der Wert desto mehr Verschmutzungen könnten enthalten sein. Aber es kommt auch darauf an welche Futtermittel wir betrachten. Knochen haben von Natur aus einen viel höheren Anteil an Rohasche als Muskelfleisch und gelten nicht als „ungesund“
      Bei Hunden die viel „Abwechslung“ brauchen, würde ich darauf achten, ob sie tatsächlich verwöhnt sind und uns um den Finger gewickelt haben, oder ob ein körperliches Problem vorliegt.
      BIO ? – Das sollte jeder für sich entscheiden. Wer auf eine hochwertige Fütterung achtet, ist in der BIO Abteilung sicherlich gut aufgehoben.

      Antworten
  2. Guter Artikel! Das einzige was ich beanstande, ist, dass leider nur eine „halb offene Deklaration“ gezeigt wurde und keine „offene Deklaration“. Schade… Aber sonst gut beschrieben

    Antworten
    • Liebe Lina,
      Danke für deine Antwort auf meinen Beitrag!
      Alles Liebe,
      Paulina

      Antworten
  3. Liebe Paulina, das ist ein wunderbarer Artikel den hoffendlich ganz viele Menschen lesen und sie aufklären. Für mich war er eine wundervolle Wiederholung. Ich hoffe sooooo sehr dass durch solche Aufklärungen die Menschen aufpassen und dass die minderwertigen Produkte schnell mal vom Markt verschwinden müssen. Es ist mir sowas von Leid dass die futtermittelindutrie unsere Vierbeiner als reine Mülleimer betrachtet. Viel Glück und weiter so

    Antworten
    • Liebe Karin <3
      DANKE vielmals - ja Aufklärung ist so wichtig. Auch wenn es nur ein kleiner Teil eines mächtigen Gebiets - es ist ein Anfang! Ich wünsche Dir, Karin, alles alles Liebe für die Zukunft!

      Antworten
  4. Für mich ist der Fleischanteil und dass das ganze Tier verwendet wird wichtig, ohne chemische Vitamne. Die füge ich lieber selst noch dazu

    Antworten
    • Liebe Susanne,
      Danke für deinen Beitrag zum Artikel.Es gibt natürlich viele Möglichkeiten um das Futter zu komplettieren. In welcher Art und Weise fügst du die Vitamine in die Ration? Vielleicht kannst Du etwas mehr zu deiner Fütterungsemthode aufzeigen – wäre für weitere Leser sicherlich interessant.

      Antworten

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