Arthrose beim Hund erkennen und behandeln

von | Mrz 21, 2019 | Hundefitness

Viele Menschen kennen das Problem und leiden darunter - und auch unsere Hunde bleiben leider nicht zwangsläufig davon verschont: Die Rede ist von Arthrose. Arthrose beim Hund hat sich zu einer regelrechten “Volkskrankheit” entwickelt und kann sehr schmerzhaft für unsere lieben Vierbeiner sein.

Als Tierärztin sehe ich viele Hunde, die unter Arthrose leiden, und möchte daher Aufklärungsarbeit leisten: Was versteht man unter Arthrose beim Hund, was hilft dagegen, was sind gute Arthrosemittel und wie sieht es bei Arthrose beim Hund mit Homöopathie aus? Lies weiter und erfahre, wie du deinem betroffenen Vierbeiner helfen kannst.

 

So entsteht Arthrose beim Hund

 

Eine Arthrose beim Hund ist eine schmerzhafte Gelenkerkrankung, die in jedem Gelenk entstehen kann. Besonders gefährdet sind stark beanspruchte Gelenke wie Schulter, Ellbogen, Hüfte, Pfoten und Knie.

Arthrose ist eine sogenannte degenerative Gelenkerkrankung. Das bedeutet, dass sie dadurch entsteht, dass sich Gelenkknorpel zurückbilden oder gar zerstören. Dadurch verändert sich die Gelenkstruktur und ein Verschleiß des Gelenks tritt ein. Dabei entstehen knöcherne Zubildungen entlang der Knorpelränder und Kapselansätze. Durch Entzündungsreaktionen im betroffenen Gelenk verdünnt sich die Gelenkflüssigkeit: Das Gelenk wird schlechter geschmiert. Das führt dazu, dass der Gelenksknorpel immer weiter abgeschliffen und auf Dauer komplett zerstört wird. Die Beweglichkeit des Hundes wird durch die Arthrose stark eingeschränkt.

 

Arthrose beim Hund erkennen

 

Viele Hundebesitzer tun sich schwer zu erkennen, ob ihr Hund an Arthrose leidet. Hunde haben schließlich von Natur aus einen starken Bewegungsdrang und werden daher meist versuchen, ihre Schmerzen zu ignorieren und sich ungeachtet dessen auszupowern.

Dabei ist gerade eine Früherkennung der Arthrose wichtig, denn je früher die Arthrose als solche identifiziert wird, umso besser kannst du deinem Hund auch helfen.

 

Wenn mehrere der folgenden Symptome auftreten, könnte eine Arthrose beim Hund Schuld daran sein:

  • Das Gelenk ist verdickt und/oder warm.
  • Der Bewegungsdrang des Hundes lässt nach und er hat weniger Freude an Spaziergängen und am gemeinsamen Spielen.
  • Er wechselt öfter die Liegeposition.
  • Bei Berührung des betroffenen Gelenks reagiert der Hund empfindlich.
  • Es wird mühsamer, ins Auto zu springen oder Treppen zu steigen.
  • Der Hund hat Probleme beim Aufstehen und Hinlegen und verweigert auch Kommandos.
  • Er sucht häufiger nach warmen, weichen Untergründen.

 

Kannst du eines oder mehrere dieser Symptome bei deinem Hund beobachten, solltest du sofort zum Tierarzt gehen, um die Sache abklären zu lassen. Zwar kann beispielsweise eine verminderte Aktivität beim Spielen auch andere Ursachen haben, aber es ist wichtig, eine Arthrose schnellstmöglich zu behandeln, denn umso früher der Prozess gestoppt wird, umso länger wird es deinem Hund gut gehen.

Achte also unbedingt auf das Verhalten deines Hundes und reagiere entsprechend darauf, um ihm im Ernstfall bestmöglich helfen zu können.

 

Ursachen für Arthrose beim Hund

 

Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass Arthrose eine Krankheit ist, die nur die “Oldies” unter den Hunden trifft. So einfach ist es leider nicht, denn die Ursachen für Arthrose beim Hund sind vielfältig und so können Vierbeiner jedes Alters unter der Krankheit leiden.

Allerdings sind manche Rassen aufgrund ihrer genetischen Prädisposition besonders gefährdet, an Arthrose zu erkranken. Dazu gehören vor allem große Rassen wie Deutsche Doggen, Deutsche Schäferhunde, Labradore und Golden Retriever.

 

Schuld an der Arthrose beim Hund sind Ursachen, die zu einer Fehlbelastung der betroffenen Gelenke führen. Darunter fallen unter anderem:

  • zu schnelles Wachstum bei Junghunden
  • Übergewicht
  • Fehlstellungen oder Missbildungen der Gliedmaßen
  • Unterbelastung der Gelenke durch Bewegungsmangel
  • Überbelastung der Gelenke durch zu viel oder sehr einseitige Bewegung
  • Unfälle oder alte Verletzungen
  • Operationen am Gelenk
  • falsche Medikamente oder Vergiftungen
  • falsche Ernährung

 

Tritt eine dieser Ursachen auf, äußert sich dies auf Dauer meist in einem Anlaufschmerz, einer Bewegungseinschränkung und einer leichten bis schweren Lahmheit. Gerade bei einem Wetterumschwung oder nasskaltem Wetter ist dies verstärkt zu beobachten. Nimmst du eines dieser Symptome wahr, solltest du schnell mit deinem Hund zum Tierarzt.

 

Arthrose beim Hund: Was hilft?

 

Da es sich bei der Arthrose um eine degenerative Gelenkerkrankung handelt, kann man die Krankheit leider nicht heilen.

Daher ist auch eine Früherkennung so wichtig, denn so kannst du das Fortschreiten der Krankheit verhindern oder zumindest deutlich verlangsamen, sodass dein Hund ein möglichst schmerzfreies Leben führen kann.

Sobald der Tierarzt eine Arthrose beim Hund festgestellt hat, kann er mit der Gabe von Schmerzmitteln reagieren, die außerdem entzündungshemmend und abschwellend wirken. Die Behandlung mit Schmerzmitteln ist in vielen Fällen unerlässlich, damit der Hund seine Schonhaltung aufgibt und die Gelenke wieder ausgewogen einsetzen kann.

Leider belasten manche dieser Medikamente auch den Magen, weshalb oft gleichzeitig ein Magenschutz verabreicht wird. So kannst du verhindern, dass es zu einem Magengeschwür kommt.

Ich habe auch sehr gute Erfahrungen mit Akupunktur gemacht, was die Schmerzlinderung betrifft. Oft komme ich mit Hilfe der Akupunktur schneller wieder vom Schmerzmittel weg, leichte Fälle können eventuell sogar alleine mit der Akupunktur und ohne Schmerzmittel behandelt werden.

Bei ganz schweren Fällen von Arthrose kann außerdem eine Operation als letzter Ausweg in Betracht gezogen werden. Hier werden knöcherne Zubildungen soweit als möglich entfernt, es kann auch ein künstliches Gelenk eingesetzt (z.B. Hüftgelenk) oder durch Durchtrennung eines Nerven der Schmerz genommen werden. Nicht bei jeder Form von Arthrose ist aber gleich eine Operation notwendig, oft kann mit Physiotherapie und anderen Maßnahmen eine Operation vermieden werden.

 

Das kannst du für deinen Hund tun

 

Damit es deinem Hund besser geht, solltest du die Arbeit nicht nur alleine dem Tierarzt überlassen. Auch du selbst kannst einiges tun, damit dein Hund schmerzfreier leben kann.

Dazu zählen vor allem Maßnahmen, die ihm das Leben, beziehungsweise einige Bewegungen erleichtern, wie zum Beispiel eine Einstiegshilfe für das Auto und eine weiche, von Zugluft befreite Liegefläche.

Wichtig ist auch, auf die Ernährung deines Hundes zu achten. Wir haben bereits gelesen, dass Übergewicht zu den auslösenden Faktoren für eine Arthrose beim Hund zählen kann. Die überflüssigen Kilos erschweren die Bewegungen deines Hundes zusätzlich. Daher solltest du, wenn nötig, Übergewicht reduzieren.

 

Viele Besitzer arthrosegeplagter Hunde machen den Fehler, ihre Vierbeiner zu sehr zu schonen, wenn sie Schmerzen haben - das ist auch nur natürlich. Allerdings schränken wir ihre Bewegung damit ein und treiben den Gelenkverfall unbewusst weiter voran. Achte daher auf kontrollierte und regelmäßige Bewegung! So wird gewährleistet, dass weiterhin Gelenkflüssigkeit produziert wird und der Gelenkknorpel so gut wie möglich versorgt wird. Damit kannst du einen weiteren Verfall enorm vermindern.

Ein Physiotherapeut zeigt dir Handgriffe, wie du das Gelenk beweglich halten und die Muskulatur durch geeignete Übungen aufbauen kannst. Falls dein Hund nicht mehr ausreichend laufen kann, gibt es auch physiotherapeutische Alternativen zur aktiven Bewegung des Hundes wie zum Beispiel das Unterwasserlaufband. So kann dein Hund Muskeln aufbauen ohne, dass seine Gelenke zu sehr belastet werden.

Denn Muskelaufbau ist das A und O in der Arthrosebehandlung. Mit einem Schmerzmittel kannst du zwar die Schmerzen für einige Zeit lindern und dein Hund wird sich etwas freier bewegen, aber ohne Muskelaufbau wird es schnell zu einem Rückfall kommen.

Zusätzlich zum Muskelaufbau kannst du verspannte Muskelgruppen durch Massage lockern lassen. Dazu würde ich dir empfehlen, deinen Hund von einem Hundemasseur behandeln zu lassen. Oft werden dir dann auch leichte Handgriffe für zuhause gezeigt.

 

Auch Wärme dient als wirkungsvolle Selbsthilfemaßnahme. Sie kann Schmerzen des Gelenks und der umliegenden Muskulatur lindern und erhöht zudem die Durchblutung. Aber Achtung: Bei Entzündungen darf keine Wärme auf das betroffene Gelenk angewendet werden! Eine Entzündung erkennst du daran, dass das Gelenk ungewöhnlich heiß und geschwollen ist. Ich sage immer, dass man den Hund entscheiden lassen sollte, ob ihm Wärme gut tut. Viele Hunde möchten Wärme nicht und wechseln dann den Platz. Dann sollte man sie nicht dazu zwingen.

Bei Spondylarthrose, also Arthrose der kleinen Wirbelgelenke im Rücken, sollte der Hund beim Spaziergang vor Nässe und Kälte geschützt werden. Hier bietet sich ein Hundemantel an, auch wenn dein Hund langes Fell hat, kann ihm der Schutz vor kaltem Wind im Winter gut tun.

 

Was taugen natürliche Arthrosemittel?

 

Wie in so vielen Fällen wird auch bei Arthrose beim Hund gerne zu homöopathischen Mitteln gegriffen, um den Hund natürlich zu unterstützen. Dies halte ich auch als Tierärztin für sinnvoll. Dennoch darf man nicht vergessen, dass die Betonung hierbei auf “Unterstützung” und nicht auf “Heilung” liegt. Homöopathie kann gerade bei Arthrose keinen Besuch beim Tierarzt ersetzen!

Allerdings gibt es einige Helfer, die Arthrosebeschwerden deines Hundes auf natürliche Weise lindern können. Ein paar davon möchte ich dir nun vorstellen.

 

Teufelskralle für den Hund

Die Teufelskralle kommt ursprünglich aus Afrika und wird dort in erster Linie gegen Verdauungsbeschwerden und Harnwegserkrankungen eingesetzt. Doch außerdem wirkt sie blutverdünnend, abschwellend, entzündungshemmend und gar leicht schmerzlindernd. Daher ist sie ein wunderbares Ergänzungsmittel für die Behandlung von Arthrose beim Hund sowie anderen Gelenkerkrankungen.

Die Teufelskralle kann auch bei einer bekannten Gelenksverletzung angewendet werden, um einer Arthrose vorzubeugen.

Bei der Anwendung solltest du beachten, dass die Teufelskralle erst ihre volle Wirkung entfaltet, wenn sie über einen längeren Zeitraum eingesetzt wird.

Zwar ist die Teufelskralle im Allgemeinen gut verträglich. Allerdings ist in Einzelfällen bekannt, dass es bei Hunden zu Magen-Darm-Problemen kommen kann. Daher solltest du deinem Hund erst kleinere Mengen geben und die Dosierung nach und nach steigern, wenn sie gut vertragen wird.

 

Grünlippmuschelextrakt

Die Grünlippmuschel ist für uns besonders interessant, da sie einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren und Glykosaminoglykanen aufweist. Letztere sind für die Konsistenz der Gelenkflüssigkeit zuständig. Omega-3-Fettsäuren wirken entzündlichen Prozessen im Körper entgegen. Daher bietet sich der Grünlippmuschelextrakt als unterstützendes Hilfsmittel bei Gelenkbeschwerden an.

 

Leinöl

Die gesundheitlichen Vorteile von Leinöl sind weithin bekannt. Dass es auch bei degenerativen Krankheiten helfen kann, wissen jedoch die wenigsten. Die im Leinöl enthaltenen Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und außerdem vermindert das Öl Angriffe auf Gelenke, weshalb es sich wunderbar als Ergänzung bei Arthrose eignet.

Aber Achtung: Leinöl hat eine hohe Energiedichte, deshalb sollte es sparsam gegeben werden, um kein Übergewicht zu provozieren.

 

Hagebutten

Hagebutten sind reich an den Vitaminen A, B1, B2 und C. Viele wissen gar nicht, dass sie sogar mehr Vitamin C als Zitrusfrüchte enthalten. Praktisch, denn Vitamin C kann unterstützend bei Arthrose helfen. Es gibt Hagebuttenpulver zu kaufen, aber du kannst deinen Hund auch unterwegs von einem Hagebuttenstrauch naschen lassen - was sich viele Hunde nicht nehmen lassen.

 

Fazit

 

Arthrose beim Hund lässt sich leider nicht heilen - aber man kann dafür sorgen, dass der Hund dennoch ein lebenswertes Leben führt. Wichtig ist dabei, die Krankheit möglichst früh zu erkennen, um das Fortschreiten bestmöglich zu verhindern. Mit den oben genannten natürlichen Mitteln kannst du deinen Hund unterstützen, aber beachte bitte, dass Homöopathie keinen Besuch beim Tierarzt ersetzt!

Photo by Vignesh Moorthy on Unsplash

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Hallo! Ich bin Mag. med. Vet Karin Schreiner!

Als Tierärztin, Hundephysiotherapeutin und Hundefitnesstrainerin, helfe ich schon seit über 5 Jahren meinen vierbeinigen Patienten zu einem fitteren Hundeleben. Aber das ist mir nicht genug! 😉 Um noch mehr Hunden aus aller Welt helfen zu können, schreibe ich als Teil der Dogtisch Academy regelmäßig Blogartikel rund ums Thema Hundefitness.

Hundefitnesstrainer-Ausbildung

Autorin - Mag. med. Vet. Karin Schreiner

Die Anatomie des Hundes hat mich schon in meinem Studium zur Tierärztin am meisten fasziniert. Kein Wunder, dass ich nun vorrangig als Hundefitnesstrainerin und Hundephysiotherapeutin meinen vierbeinigen Kunden zu einem fitteren Hundeleben verhelfe! Wie auch du HundefitnesstrainerIn wirst, lerne ich dir in meiner Online-Ausbildung

 

3 Kommentare

  1. Super Beitrag… Vielen Dank.. Kommt gerade zur richtigen Zeit.

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  2. Hallo. Ich habe 2 Fragen : 1. Was hältst Du von Ingwer, Glucosamin/MSM und Kollagen? Und 2. Wie sieht es mit Teufelskralle und den anderen Zusätzen bei älteren Hunden mit Nieren – und Pankreasproblemen aus – kann man alles unbedenklich geben oder muß man da mit irgendwas aufpassen? Dankeschön vorab

    Antworten
    • Hallo Dena, zu Glucosamin/Chondroitin gibt es derzeit sowohl beim Menschen als auch beim Hund eher dürftige Studienlagen. Ich selber habe recht gute Erfahrungen mit Präparaten die Kollagen/Chondroitin/Glucosamin/Vitamin C enthalten. Ingwer verwende ich selber recht selten, was aber nicht heißt, dass er nicht auch gut wirken kann. Ich versuche allerdings immer mit den wenigsten Mitteln und Kräutern auszukommen und gebe bei Bedarf dann zusätzlich etwas hinzu.

      Bei Teufelskralle hat man ähnliche Nebenwirkungen wie bei „normalen“ Entzündungshemmern. Es gibt aber vor allem bei niereninsuffizienten Katzen mit Arthrosen Untersuchungen, dass die Überlebensdauer MIT Schmerzmittel besser war, als bei den Patienten die keine bekommen hatten. Ich denke dass Schmerzen den Organismus tatsächlich mehr schädigen, als es Schmerzmittel können, trotzdem sollte man sie bei Leber- und NIerenpatienten mit Bedacht anwenden! Und das gilt auch für pflanzliche Vertreter.

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