Berufsbild Hundeshop-Besitzer

So arbeitet es sich als Eigentümer eines Hundeshops

Du interessierst dich für die Selbstständigkeit mit einem Hundeshop, kannst dir aber noch keine wirklichen Vorstellungen über das genaue Berufsbild eines Beraters für Hundeernährung und dessen Alltag als Hundeshop-Besitzer machen? Ich schreibe ganz bewusst nicht Verkäufer, denn wer mit Leib und Seele Hundefutter verkauft, dem geht es um viel mehr als darum, Dosen in Tüten zu verpacken!

Daher möchte ich dir heute einen kleinen Einblick in meinen Alltag gewähren:

Aufgaben eines Hundeshop-Besitzers:

Morgens aufsperren, abends Kasse zählen und abschließen, das war’s? Nicht ganz…Ich verbringe sehr viel Zeit vor und nach Ladenschluss mit Arbeiten, die der Kunde gar nicht sieht. Ich zähle mal auf, was täglich oder wöchentlich ansteht:

  • Ware (Hundefutter, Leinen,…) bestellen
  • Ware annehmen und auspacken, auspreisen, in die Regale einräumen
  • Neue Ware & Hundefutter-Sorten recherchieren, wenn sie den Weg ins Sortiment schafft (nach ausreichenden Tests mit unseren eigenen Tieren) – Händlerpreise anfragen, kalkulieren, in die Übersicht mit Warengruppe und PLU (Warennummer) eintragen, in die Kasse programmieren, Regale beschriften
  • Kassenabschlüsse (täglich/Monatsabschluss/Jahresabschluss)
  • Bargeld zur Bank bringen, Wechselgeld besorgen
  • Buchhaltung erledigen (macht in der Regel der Steuerberater)
  • Die Regale aus dem Lager wieder auffüllen (täglich, auch zwischendurch)
  • E-Mails von Kunden und Händlern beantworten
  • Daten von neuen Kunden in die Kundenkartei einpflegen
  • Newsletter an Kunden schreiben
  • Kauartikel und Leckerli abwiegen, verpacken, Etiketten aufkleben
  • Kundenbestellungen vorpacken
  • Wir haben einen Lieferservice – also packen, Rechnung schreiben und ausliefern
  • Termine mit Kunden im Rahmen unseres Privatshoppings außerhalb der Öffnungszeiten
  • Hundeernährung-Beratungstermine für Neukunden
  • Regale auswischen

Was ich inzwischen an Minijobber vergeben habe:

  • Räume säubern, Fenster putzen
  • Webseite pflegen
  • Neue Produkte auf der Facebookseite vorstellen
  • Werbeflyer erstellen
  • Plakate für unseren Aufsteller vor der Tür designen

Wer geht in den Hundeshop?

Mein Kundenkreis besteht aus Hunde- und Katzenbesitzern, denen die richtige Ernährung ihres Vierbeiners wichtig ist. Denn ich führe keine „Supermarkt“-Nahrung in meinem Sortiment. Die meisten Kunden wollen ihre Tiere wirklich gesund ernähren. Einige Vierbeiner haben Unverträglichkeiten oder vertragen das Hundefutter vom Discounter um die Ecke nicht und ihre Herrchen und Frauchen suchen daher eine hochwertige Hundeernährung für ihren Liebling. Und landen meist auf Empfehlung bei mir.

Bis ich diesen Kundenstamm aufgebaut habe, hat etwas gedauert. Aber es bewährt sich, die Menschen breitgefächert in Ruhe zu beraten und dabei den Hund als das zu sehen, was es für den Menschen ist: ein Teil seines Lebens.

Bei uns gibt es aber noch mehr als Hundefutter und Leckerli. Wir fertigen nach Maß Halsbänder, Geschirre und Bademäntel an. Hundedecken werden genäht, Leinen geknüpft. Regelmäßig finden Workshops und Seminare statt. Spielzeuge, Näpfe, Leckerlibeutel, Hundebetten – all das, was man neben einer gesunden Hundeernährung noch für den Vierbeiner braucht.

Gehalt für einen Hundeshop-Besitzer

Am Anfang steht erst mal eine größere Investition. Der Laden muss eingerichtet werden und selbst wenn er klein ist und zu Beginn nicht so viel Ware in den Regalen steht, 15.000 Euro sollte man mindestens einplanen. Und dann hat man lediglich Ikea-Regale, an eine Designer-Theke habe ich gar nicht gedacht.

Die Marge an Hundefutter ist sehr gering, das sage ich hier ganz ehrlich. Zahlen „darf“ man nicht nennen, aber geht mal von so 20-25 % pro Dose aus. Auch beim Trockenfutter oder B.A.R.F.-Fleisch ist es nicht mehr. Rechne dir aus, was du an Ladenmiete bezahlen musst, vergiss nicht das „Drumherum“ (Telefon, Internet, Strom, Krankenkasse, Versicherungen, usw.) und rechne dir aus, wie viele Dosen (ich rechne das immer in Dosen vor, das ist so schön greifbar) du pro Monat verkaufen musst, damit die Kosten gedeckt sind. Ohne den Verkauf von Zubehör kriegt man das nicht hin.

Daher mein Fazit nach nun etwas mehr als drei Jahren: Reich wird man damit nicht. Aber mit jedem Stammkunden mehr, der wöchentlich/monatlich sein Hundefutter bei mir kauft, komme ich dem Gewinn näher. Im Moment stecke ich die „Gewinne“ noch in die Erweiterung des Warenangebotes – so habe ich mit zwei Futtersorten und etwas B.A.R.F.-Fleisch, 5 Sorten in der Snackeria und 4 Sorten Kausnacks angefangen. Inzwischen gibt es noch viel mehr Leckereien, Zusätze, Öle usw.

Vorteile im Job:

  • Dein eigener „Herr“, kein Chef, der dir etwas vorschreibt. Das hat auch den Vorteil, dass ich nur Ware in meinem Hundeshop verkaufe, von der ich zu 100% überzeugt bin.
  • Selbstbestimmte Arbeitszeiten! Denn du legst fest, wann dein Hundeshop geöffnet ist. Auch, wann du in Urlaub gehst. Und das kann sehr angenehm sein…
  • Beruf mit Freude! Hast du schon mal in die strahlenden Hundeaugen gesehen, wenn sie in einem Hundeshop stehen? Ich freue mich über und für jedes Tier, welchem es mit meiner Beratung gut, und vielleicht sogar besser, geht!
  • Leidenschaft in dem, was ich mache! Es gab noch keinen einzigen Tag, den ich nicht gerne in meinem Hundeshop verbracht habe. Ich habe tierisch nette Kunden (und damit meine ich jetzt auch die Besitzer, obwohl die ja nicht tierisch sind). Aus den meisten sind inzwischen Freunde geworden. Zu mir kommt man nicht nur zum Hundefutter Einkaufen! Da wird auch über die Oma geschimpft, die neue Kücheneinrichtung geplant – eben auch Dinge abseits von Hund und Katze besprochen.

Nachteile im Job:

Dumping Preise aus dem Internet – leider schon erlebt und „ehrliche“ Ex-Kunden, die mir ganz offen gesagt haben: „Danke für deine tolle Beratung, dem Hund geht es jetzt prima! Er liebt das Hundefutter und verträgt es toll. ABER ich bestelle es jetzt im Internet bei XY, da ist es einfach günstiger. Ich bin ehrlich zu dir, nicht dass du dich wunderst, dass ich nicht mehr komme“.

Ja, hat mich am Anfang das eine oder andere Tränchen gekostet, gebe ich zu. Ich verkaufe zum UVP der Händler, bin also nicht teurer als wenn man es dort direkt bestellt. Aber es gibt eben die Online-Riesen, die verkaufen das Futter fast zu dem Preis, zu dem ich es einkaufe.

Selbstständigkeit heißt:  Selbst und Ständig! Dieser Job ist nicht mit 20 Stunden in der Woche zu händeln. Auch nicht, wenn man „nur“ halbe Tage den Hundeshop geöffnet hat.Im Hintergrund ist einfach viel mehr zu tun, als es für Kunden den Anschein erweckt. Möchtest du also deinen eigenen Hundeshop eröffnen, rate ich dir genug Zeit für dein Geschäft einzuplanen! Viele unterschätzen den täglichen, wöchentlichen und monatlichen Aufwand der anfällt…

Was man in den Beruf mitbringen sollte:

  • Kommunikationsfähigkeit
  • Durchhaltevermögen (die ersten Jahre sind nicht einfach)
  • Belastbarkeit (man ist nicht einfach mal „krank“)
  • Lernbereitschaft (es gibt immer wieder neue Erkenntnisse und so kannst du deine Angebotspalette erweitern)
  • Dreckige Jeans oder Böden sollten kein Problem für dich sein – ich werde stets freudig von „meinen“ Vierbeinern begrüßt und so mancher Besitzer kommt auch direkt nach dem Spaziergang im Wald noch schnell mal mit matschigen Gummistiefeln in den Laden
  • Es gibt nicht nur „die tollen netten Kunden“, auch mal welche, bei denen du mit den Augen rollst – da musst du freundlich bleiben können oder so viel Mut haben, ehrlich zu sagen, dass ihr nicht zusammen „passt“ – ich hatte mal Kunden, die wollten einen gestaffelten Rabatt raushandeln, so wie bei einem großen Möbelhaus, da gebe es auch ab 100 Euro 10 %, ab 200 Euro 15 % usw. Ich habe dann freundlich aber bestimmt gesagt, dass sie ihr Hundefutter dann doch bitte DORT einkaufen sollen 😉
  • Betriebswirtschaftliches Denken und Handeln – ganz wichtig! Ich habe das zwar auch nicht studiert, aber meine Eltern hatten viele Jahre ein Geschäft und da habe ich schon mitbekommen, worauf man alles achten muss!

Über die Autorin, Sandra Hautke

Seit April 2015 betreibe ich meinen kleinen Hunde -und Katzenshop ViER-BEiNER in Trebur. Von Anfang an war mir wichtig, dass ich meinen Kunden nur gesunde Nahrung für ihre Vierbeiner anbiete. Seit meiner Ausbildung bei Dogtisch Academy fühle ich mich darin gestärkt, dass dies genau der richtige Weg ist! Hunde- und Katzenernährung ist für mich nicht nur einfach einen Napf befüllen – der richtige Inhalt zählt. Er ist sozusagen essentiell.

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1 Kommentar

  1. Liebe Sandra, du hast den Beruf sehr authentisch beschrieben. Man spürt deine Leidenschaft und deine Liebe zu dem bestimmt nicht immer einfachen Beruf! Ich würde mir mehr Hundeshop-Besitzer wie du es bist wünschen. Mach weiter so! Die Hundewelt braucht dich!!

    Antworten

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