Von wegen "nur Asche"

Heilen mit Kräuterasche leicht gemacht!

Die Asche als Heilmittel hat schon eine sehr lange Tradition. Es waren wirklich Gladiatoren, die einst ihre Verletzungen mit Asche behandelt haben. Sowohl innerlich in Form von Tinkturen, als auch äußerlich als Umschläge auf die Wunden gelegt, nutzte man schon damals die Heilkraft der Asche.

 

„Nur“ noch Asche übrig

Zu den Inhaltsstoffen…


Man könnte natürlich meinen, dass Asche ja durch enorme Hitze, nämlich Verbrennung entsteht und deshalb keine wertvollen Inhaltsstoffe mehr übrig sind. Selbstverständlich haben wir hier keine aktiven Joghurtkulturen mehr enthalten und auch die Vitamine dürften sich alle verabschiedet haben. Aber wir wollen die Asche ja auch nicht dazu verwenden, unsere Ernährung ausgewogen zu gestalten. Obwohl – ein bisschen vielleicht doch…

Interessanterweise haben außer den Gladiatoren auch Dioskurides und Hildegard von Bingen die Heilkraft der Asche gekannt und angewendet. Und selbst die WHO ist inzwischen am Forschen und hat die Heilkraft bestätigt.

Asche aus Kräutern und Bäumen ist reich an Mineralstoffen, da diese, je nachdem was man verbrannt hat, in einem bestimmten Verhältnis übrig bleiben. Enthalten sind unter anderem Oxide, Carbonate und die Mineralstoffe Calcium, Magnesium, Phosphor, Kalium, Strontium und Natrium. Sie ist hoch basisch (der PH-Wert ist ca. 12), steril, antibakteriell, knochenstärkend, desinfizierend und antiinfektiv.

 

Inzwischen gibt es sogar im Handel weit mehr zu kaufen als nur die altbewährten Kohletabletten. Man hat festgestellt, dass sowohl Asche als auch Aktivkohle einen besseren Wundheilungseffekt haben als Zinksalbe. Innerlich angewendet regt es die Knochenregeneration an, schwemmt Giftstoffe aus und hilft dem Körper, sich nach körperlicher Anstrengung zu erholen.

Das Wundergetränk der Gladiatoren hieß übrigens Pyxis und war ein auf Aschebasis hergestellter Kräutertrunk. Aber auch die Hopis in Nordamerika und die Inder kennen die gute Wirkung und machen sie sich seit Jahrhunderten zunutze.

 

Weitere Nutzungsmöglichkeiten

Ein Geheimtipp für Survivalfans dürfte die Anwendung von Asche als Zahnpasta sein. Sie reinigt nicht nur die Zähne, sondern wirkt auch mineralisierend. Zumindest hat Hildegard von Bingen sie dafür wärmstens empfohlen. An das Knirschen danach gewöhnt man sich dann noch. Für die Behandlung von Zahnfleischentzündungen hat sie Asche aus Weinreben als Flüssigarznei angewendet.

Wer einen Garten hat, der kann Asche auch als Dünger anwenden und die Scheiben des Kamins kann man auch damit putzen.

Auf jeden Fall sollte die Asche aus natürlichen und unbehandelten Rohstoffen hergestellt werden.

 

Kräuterasche selbst hergestellt

Um Asche herzustellen, benötigt man zunächst trockene Kräuter. Gern kann man dafür auch Reste aus dem Vorjahr verwenden, die für Tee nicht mehr geeignet sind. So haben diese auch noch einen guten Zweck erfüllt. Ich trockne gern Zweige von Birke, Haselnuss und Weide, damit man auch etwas Holz dabei hat.

Bei meinen ersten Versuchen bin ich daran gescheitert, dass es nicht so richtig brennen wollte. Mir fehlte ein passendes Gefäß, welches genügend Zug von unten zuließ. Schließlich fiel mir eine riesige alte Blechdose ein, die noch im Keller stand. Und zum Glück war sie nicht beschichtet.

In diese habe ich am unteren Rand kurzerhand rundherum Löcher hineingebohrt und noch eine kleine Öffnung, damit ich meine Kräuter von unten anzünden kann. So hatte ich den gewünschten “Schornsteineffekt”.

Mein „Kräuterascheofen“

Inzwischen bin ich stolze Besitzerin eines Folgemodells, welches mein Mann mir gebaut hat. Ein Stück Metallrohr mit einem Sieb unten drin, welches ich in meine alte Eisenpfanne stellen kann, sodass mir nichts verloren geht.

Ach ja, für meine Ascheherstellung habe ich übrigens Brennnesseln, Schafgarbe und Johanniskraut, Kamille, weißen Gänsefuß sowie etwas Haselholz verwendet.

Auf den Fotos sind die Löcher unten im Rohr noch nicht vorhanden (weil ich ungeduldig war und es gleich probieren musste), da war ich noch in der Testphase. Aber es hat auch so schon ganz gut funktioniert.

Nun hatte ich meine erste Asche selbst hergestellt. Ich muss sie nicht mehr kaufen und kann vor allem selbst entscheiden, aus welchen Kräutern ich sie herstellen möchte.

Asche sieben

Nun muss die Asche noch gesiebt werden. Dazu habe ich ein ganz normales Haushaltssieb genommen. Wichtig ist, dass man den Feinstaub beim Sieben nicht einatmet, aber ich habe von unseren unzähligen Renovierungen noch genügend Mundschutz im Keller herumliegen.

Nach dem Sieben ist die Asche gebrauchsfertig und kann in ein (steriles) Schraubglas gefüllt werden. Wenn sie nicht feucht wird, sollte sie im Prinzip ewig haltbar sein. Meist wird empfohlen, sie nicht länger als 3 Jahre aufzubewahren. Hier streiten sich die Gelehrten, aber meine Portion ist ohnehin immer ganz schnell aufgebraucht.

Anwendungsmöglichkeiten für Kräuterasche

Innere Anwendung

Wie eingangs schon beschrieben, hat Asche eine großartige Wirkung auf den Organismus. Nordische Stämme glaubten, dass der Mensch aus Ulmenasche entstammt. Man kann sogar Birkenasche kaufen, die aus Bäumen in der Nähe des Polarkreises hergestellt wird. Auch in der Spagyrik nimmt Asche einen hohen Stellenwert ein.

Die Asche wirkt bei Übersäuerung des Körpers, zur Sanierung von Magen und Darm wird sie verwendet und sogar Rheumapatienten wird die Einnahme empfohlen. Man kann sie zusammen mit anderen Kräutern für Hustensirup nutzen oder als Mittel zur Stärkung bei Erschöpfung und Infektanfälligkeit.

Wie groß die Verehrung für das “graue Gold” war, kann man aus dem Spruch “Wie der Phoenix aus der Asche” ableiten. Jeder hat – spätestens seit Harry Potter – schon einmal von dem mythischen Vogel gehört, der am Ende seines Lebenszyklus aus seiner eigenen Asche wieder aufersteht, um noch schöner und kraftvoller zu werden. Na, wenn das kein Grund ist, es einmal selbst auszuprobieren!

Eher nicht zur Nachahmung empfohlen ist der Selbstversuch eines Wissenschaftlers, der das 10-fache der tödlichen Dosis Strychnin mit Aktivkohle vermischte und einnahm. Er hat diesen Versuch überlebt und damit die unglaublich entgiftende Wirkung nachgewiesen.

WICHTIG!

Der pH-Wert der Asche darf nicht unter 8 sinken. Teststreifen für die Messung gibt es in der Apotheke. Sollte der Wert 8 oder weniger betragen, kann man einfach frische Asche hinzugeben, bis der Wert wieder hoch genug ist.

Rezepte für die innere Anwendung

Das Basisrezept

Gabriela Nedoma hat ein schönes Basisrezept in ihrem Buch “Vergessene Heiltinkturen” niedergeschrieben, welches ich dir nicht vorenthalten möchte.

Man nimmt einen Teil Asche, einen Teil klein geschnittene Kräuter deiner Wahl und drei Teile Quellwasser. Alles kommt zusammen in ein Schraubglas und wird gut geschüttelt. Den Ansatz lässt man 5-7 Tage dunkel oder sonnig extrahieren und schüttelt es einmal täglich.

Nach der Zeit wird der Ansatz durch ein Tuch oder ein feines Sieb abgeseiht und in eine Flasche gefüllt. Vor Gebrauch noch einmal gut schütteln. Du kannst nun 1 Esslöffel der Tinktur auf ein Glas Wasser (ca. 250 ml) geben und zweimal täglich trinken. Für Kinder werden die Mengen geviertelt und dementsprechend kann man die Dosierung auch auf den Hund anpassen.

Nach zwei Wochen sollte eine Pause eingelegt werden.

 

Rezept für eine Frühjahrskur

Man benötigt 100 ml Asche (am Besten aus Weide oder Salbei), 100 ml frische Kräuter (z.B. Giersch, Löwenzahn, Gundermann, Taubnessel, Brennessel und Gänseblümchen), sowie 300-350 ml Quellwasser.

Die Zutaten werden zusammen püriert und in ein Schraubglas gegeben. Alles 5 Tage ziehen lassen und täglich schütteln. Dann abseihen und in eine Flasche geben. Morgens und abends 1-2 Esslöffel auf ein Glas Wasser geben und trinken.

 

Hustensaft

Den Saft einer Zitrone, 2 Esslöffel Honig, ½ Teelöffel Asche und 100 ml kochendes Wasser mischen und davon stündlich einen Esslöffel einnehmen. Im Kühlschrank hält er eine Woche. Sollten die Beschwerden anhalten, ist auch hier ein Arzt aufzusuchen.

 

Inhalieren

Man nimmt einen gehäuften Teelöffel Asche auf einen Topf heißes Wasser. Kräuter wie Salbei und Thymian verstärken die heilende Wirkung. Mit einem Tuch über dem Kopf inhaliert man 10 Minuten mehrmals täglich.

Bei Kindern sollte man überlegen, ob man nicht einen handelsüblichen Inhalator verwendet, um Verbrennungen auszuschließen. Für Hunde und Katzen kann man die Mischung im Zimmer mit Hilfe eines Stövchens, Salbenofens oder auf dem Kamin vernebeln. Hier natürlich auch immer die Möglichkeit lassen, dass Hund oder Katze den Raum verlassen können.

 

Rezepte für die äußere Anwendung

Paste für wunde Hautstellen

Dafür kannst du ganz prima die Ringelblumentinktur verwenden, für die Paulina ein tolles Rezept geschrieben hat. Nimm je nach Bedarf einen Teelöffel oder auch mehr von der Asche und vermische sie mit der Tinktur, bis du einen schönen Brei hast. Diesen kannst du auf wunde Hautstellen streichen und eventuell mit einem Mullverband verbinden. Du kannst die Paste aber auch einfach auf der betroffenen Hautstelle lassen, bis sie von allein abbröckelt.

 

Asche-Salbe

Für 30 g Salbe benötigst du folgende Zutaten:

  • 25 g Olivenöl (Ringelblumenöl oder ein anderes Kräuteröl gehen auch)
  • 5 g Kakaobutter oder Sheabutter
  • 5 g Bienenwachs
  • ½ Teelöffel Asche
  • 2 saubere Marmeladengläser
  • 1 großen Topf
  • 1 leeres Glas mit Schraubdeckel oder einen Salbentiegel (30g)

 

In den Topf füllst du Wasser, bis er 3 cm hoch gefüllt ist. In eines der Gläser füllst du die Kakaobutter und das Bienenwachs. In das andere Glas füllst du das Öl. Beide Gläser stellst du nun in den Topf und erwärmst alles, bis das Bienenwachs geschmolzen ist. Nun gibst du das Öl zum Butter-Wachs-Gemisch. Achte genau darauf, dass kein Wasser aus Versehen darin landet.

Nun nimmst du dein Glas aus dem Topf. Jetzt heißt es rühren, rühren, rühren – bis alles etwas mehr als handwarm ist. Dann gibst du die Asche hinein und rührst weiter, bis sich alles gut vermischt hat und füllst sie dann in das Schraubglas ab. Bitte verschließe die Salbe erst, wenn sie richtig kalt ist, sonst könnte sich durch das Kondenswasser später Schimmel bilden. Deine Salbe ist nun gebrauchsfertig und sollte am Besten im Kühlschrank gelagert werden.

 

Fazit

Es fasziniert mich unglaublich, wie alt manche Heilmethoden sind und wie viele unterschiedliche Kulturen ähnliche Rezepte entwickelt haben, obwohl sie sich nie darüber austauschen konnten. Die Ureinwohner Amerikas werden kaum mit den alten Griechen oder den Indern Rezepte getauscht haben, da sie nicht einmal voneinander wussten. Und trotzdem haben sie viele Gemeinsamkeiten. Die Heilkräfte der Asche haben sie alle völlig unabhängig voneinander genutzt. Viele Kräuterweiber und -männer haben das Wissen über Generationen weitergegeben und nicht selten ihr Leben dafür aufs Spiel gesetzt.

Bei meinen persönlichen Entdeckungsreisen durch alte Rezepturen wird mir das oft bewusst und ich empfinde eine tiefe Dankbarkeit für jede(n) Einzelne(n), die zur Erhaltung dieses alten Wissens beigetragen hat.

Auch wenn es etwas verrückt klingt, aber bei manchen Zubereitungen rutscht mir hier und da ein kleines “Dankeschön” heraus an die Hexen, Mönche, Schamane, Medizinmänner und Kräuterweiblein – aber ich glaube, das ist ganz okay so.

 

Es bleibt mir nur, dir wie immer viel Spaß beim Ausprobieren zu wünschen. Und wer weiß, vielleicht gehörst du jetzt auch zu der langen Reihe derer, die altes Wissen bewahren, nutzbar machen und an nächste Generationen weitergeben!

 

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Über die Autorin, Katrin Wolf

Ich heiße Katrin Wolf, bin im richtigen Leben Sozialpädagogin und Verwaltungsbeamtin und zu mir gehören mein Mann und unsere drei Kinder sowie unsere etwas verrückte Ridgeback-Mix-Hündin Lika. Als Dorfkind bin ich mit Tieren groß geworden und mich haben seit vielen Jahren Hunde, Pferde und Katzen durchs Leben begleitet. Meine Leidenschaft für Kräuter habe ich von meiner Großmutter, die immer einen Schrank voll mit Tee und allerlei Gebräu hatte.

Meine Freunde und auch meine erwachsenen Kinder sind dankbare Abnehmer meiner Teemischungen und ich scheue nicht davor zurück, auch Esstische, Wäscheständer und Bücherregale zum Kräuter trocknen zu benutzen. Ich freue mich dabei zu sein und meine Begeisterung für die Kräuterwelt mit euch zu teilen. 

2 Kommentare

  1. Wunderbar, diese Seite entdeckt zu haben. Ich habe im Rahmen meiner schamanischen Ausbildung (Absolute Beginner ;))von heilender Asche in Verbindung mit Honig als Salbe/Tinktur zur Behandlung von Verletzungen „geträumt“.
    Das hier wird mir helfen, meinen persönlichen Weg zu finden und zu gehen. Ich danke dir von Herzen :)))

    Antworten
    • Liebe Kirstin,

      vielen dank für deine lieben Worte!

      Das freut uns sehr <3

      Lg
      Nadine

      Antworten

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