Hundesportarten: Schutzhundesport

Schutzhund, Gebrauchshund, IPO-Hund … so viele Begriffe, die sich alle um dieselbe Sache drehen. Der Schutzhundesport steht häufig in der Kritik, da hier ausgebildete Hunde angeblich gefährlich für Dritte werden können und die Trainingsmethoden auch häufig tierschutzrelevant sind. Doch was ist IPO überhaupt und sind Schutzhunde wirklich so schlecht wie ihr Ruf? Oder steckt doch noch mehr dahinter?

Die liebe Vanessa hat sich im Rahmen ihrer Abschlussarbeit mit dem gesunden Gebrauchshund aus physiotherapeutischer Sicht auseinandergesetzt und gibt nun ihr geballtes Wissen an dich weiter!

 

Im Artikel findet du Informationen zu folgenden Themen. Navigiere gleich zu dem Punk, welcher dich interessiert: 

🔹 Einteilung von Schutzhunden

🔹 Schafft Schutzhunde-Sport gefährliche Hunde?

🔹 Die wichtigsten Schutzhunde-Rassen

🔹 Was wird beim IPO trainiert?

🔹 Warm-up und Cool-down für IPO-Hunde

🔹 Regeneration

🔹Wichtiges bei Gebrauchshunden

🔹So bleibt dein IPO-Hund gesund

Einteilung von Schutzhunden

 

Sprach man früher noch von Schutzdienst, so ist heute der Begriff „IPO“ geläufiger. Diese Abkürzung steht für die Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde nach internationaler Prüfungsordnung.

Die IPO setzt sich aus drei Disziplinen zusammen, nämlich der Nasenarbeit (Fährte bzw. Spur), dem Gehorsam (Unterordnung) und dem eigentlichen Schutzdienst. Die zugehörigen Prüfungen gibt es in drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen und sie dürfen nur absolviert werden, wenn die Sporthunde die Begleithundeprüfung bereits abgeschlossen haben.

Schafft Schutzhunde-Sport gefährliche Hunde?

 

Diese Frage stellen sich wohl die meisten! Schließlich wird dies oft behauptet. Der Name impliziert ja bereits, dass der Hund den Besitzer beschützt. Allerdings unterstützen aktuelle Studien diese These nicht.

Die Geschichte dieses Sports wird ihren Teil dazu beitragen: Im Jahr 1906 fand der erste Schutzhundewettbewerb in Deutschland statt. Der Sieger war ein Deutscher Schäferhund. Ungefähr 100 Jahre lang liefen die Prüfungen weitgehend gleich ab und enthielten unter anderem einen Angriff auf einen Schutzdiensthelfer.

Wegen des öffentlichen Drucks wurden die Prüfungen geändert und beinhalten nun eher die Selbstverteidigung des Hundes und die Verteidigung seines Führers. Heute möchte man allerdings weniger einen Kampfhund als einen möglichst unproblematischen Familienhund. Das Training hat sich dadurch entsprechend verändert und wird nun so durchgeführt, dass eben keine „Problemhunde“ aus dem Training hervor gehen.

Schutzhundesport ist vielleicht doch nicht so deins? Kein Problem! Schau dir unseren Artikel mit den beliebtesten Hundesportarten an. Da ist sicher was für dich und deinen Vierbeiner dabei.

Die wichtigsten Schutzhunde-Rassen

Prinzipiell können alle Hunde zu Schutzhunden ausgebildet werden. Einige Hunderassen sind jedoch geeigneter dafür als andere. Der Prototyp eines Schutzhundes ist der Deutsche Schäferhund, aber auch Malinois, Riesenschnauzer, Rottweiler, Dobermann, Deutsche Boxer oder auch „exotische Rassen“ wie der Australian Cattle Dog sind häufig vertreten.

 

Was wird beim IPO trainiert?

Angehende IPO Hunde müssen in vielen Bereichen trainiert werden, da unterschiedliche Belastungsarten auf sie zukommen. Neben Jagdhunden gehören Schutz- und Diensthunde zu denen mit den meisten Belastungsarten. Diese sehen wir uns nun genauer an.

 

🤾‍♀ Schnellkraft

Hier soll es dem Hund gelingen, eine Bewegung in möglichst kurzer Zeit auszuführen, zum Beispiel bei Sprints oder Sprüngen.

Es ist schwierig, die Schnellkraft auf gesunde Art und Weise zu trainieren, da die einzelne Gelenkbelastung schnell zu groß wird. Stop-and-Go-Belastungen sollen nach Möglichkeit vermieden werden. Außerdem sollten die Übungen auf weichem Untergrund ausgeführt und pro Einheit nicht öfter als 20 Mal wiederholt werden.

Die Schnellkraft kann man beispielsweise über Weit- und Hochsprünge, die Beschleunigung aus verschiedenen Positionen heraus oder durch schnelle Richtungswechsel im Spiel trainieren. Letzteres ist das beste Basistraining.

 

🏋‍♀ Kraftausdauer

Hier hängen, wie der Wortlaut bereits verrät, Kraft und Ausdauer zusammen. Der Hund soll hier seine Kraft bei langanhaltender Muskelarbeit (z. B. im Schlittenhundesport) aufrechterhalten können. Die Kraftausdauer trainiert man am besten mit Zugarbeit, beispielsweise über Canicross oder indem man den Hund Gewichte ziehen lässt. Dabei fängt man mit kleinen Distanzen an und steigert sie allmählich, damit der Hundekörper sich langsam an die Belastung gewöhnen kann.

Wichtig ist, dass der Hund nur mit einem passenden Zuggeschirr trainiert wird, bei welchem der Fixpunkt an der Schwanzwurzel liegt. Nur so ist gewährleistet, dass der Hund optimal über den Rücken arbeitet und die Gelenke nicht zu stark belastet werden.

 

🏃‍♂ Ausdauer

Unter Ausdauer versteht man die Möglichkeit einer Dauerbeanspruchung bei langanhaltenden sportlichen Anforderungen. Hier werden gleichermaßen Muskulatur, Energiebereitstellung inklusive Herz-Kreislauf-System und die mentale Fähigkeit des Durchhaltevermögens trainiert.

Die Ausdauer trainiert man am besten durch Laufen. Dies ist vor allem bei jungen Hunden am effektivsten. Man beginnt mit 3 Kilometern (die sogenannte Grundausdauer) und erhöht die Länge der Strecke nach und nach. Der Hund kann dabei sein Tempo frei wählen. Bei jedem vierten Training sollte etwa ein Kilometer mehr gelaufen werden.

Nach drei Monaten kann dann auch das Tempo erhöht werden. Gerade im Sommer ist es allerdings wichtig, auf gute Rahmenbedingungen zu achten, also beispielsweise nicht bei allzu heißen Temperaturen zu trainieren und genau auf Ermüdungsanzeichen zu achten.

Du kannst die Ausdauer deines Hundes auch durch Schwimmen trainieren oder ihn am Fahrrad (am besten ohne Leine) laufen lassen.

 

🤹 Koordination

Zur Koordination zählt alles, was ein aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel zwischen Muskelgruppen und Nerven erfordert. Dadurch wird es dem Hund ermöglicht, auch komplexe Bewegungen harmonisch und effizient auszuführen.

Zur Koordination gehören unter anderem Gleichgewichtsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit, Kopplungsfähigkeit, Differenzierungsfähigkeit, Geschicklichkeit und Umstellungsfähigkeit.

Die Koordination kann bereits im Welpenalter mit ein paar einfachen Übungen trainiert werden, etwa durch Balancieren, Treppenlaufen, Stangenmikado oder Rückwärtsgehen.

Ist eine gute Grundkoordination vorhanden, können auch Stabilisationsübungen auf Geräten wie Gymnastikbällen oder Drehstühlen aufgenommen werden.

 

🤸‍♀ Beweglichkeit

Unter Beweglichkeit werden Gelenkigkeit und Dehnbarkeit zusammengefasst. Gelenkigkeit basiert auf dem Bewegungsspielraum der einzelnen Gelenke und ist daher angeboren und nur beschränkt veränderbar. Dehnbarkeit hingegen wird durch die Muskulatur bestimmt und kann durch bestimmte Übungen trainiert werden.

Beispielsweise kannst du deinen Hund unter einem Hindernis hindurchkriechen lassen. Du kannst deinen Hund auch mit einem Leckerli locken und ihn somit dazu bringen, den Kopf nach oben, unten und zu beiden Seiten hin zu bewegen. Hier ist es wichtig, dass die Übungen kontrolliert ausgeführt werden.

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Warm-up und Cool-down für IPO-Hunde

 

Wenn wir einen Fitnesskurs besuchen, ist vorheriges Aufwärmen und anschließendes Abwärmen meist selbstverständlich. Leider werden diese Dinge im Hundesport häufig vernachlässigt. Gerade im IPO-Sport sind sie jedoch unerlässlich.

 

🔥 Warm-up

Mit einem gesunden Warm-up kannst du das Verletzungsrisiko senken und die Leistungsfähigkeit des Hundes steigern. Dabei werden nämlich die Muskeln aufgewärmt und es ist schwieriger, einen warmen Muskel zu schädigen als einen kalten. Auch das Herz-Kreislauf-System wird beim Warm-up angekurbelt und die Gelenke und Bänder werden auf die Belastung vorbereitet. So ist der Hund in der Lage, Höchstleistungen zu erbringen!

Wichtig ist nur, den Hund nicht schon im Warm-up an seine Leistungsgrenze zu bringen. Es sollten hier noch keine Ermüdungserscheinungen auftreten!

Mehr als eine Viertelstunde musst du fürs Aufwärmen nicht einplanen. Es sollte nur gut ans Training angepasst sein. Es macht keinen Sinn, Sprünge im Warm-up zu üben, wenn du diese nicht trainieren willst. Konzentriere dich auf die Muskeln, die du im Training tatsächlich benötigst!

 

❄ Cool-down

Das Cool-down ist quasi ein umgekehrtes Aufwärmprogramm. Hier solltest du den Hund schonend auslaufen lassen und leichte Dehnübungen einbauen, damit die Muskulatur nicht verkürzt wird.

Auch hier ist es wichtig, dich auf die Muskeln zu konzentrieren, die im Training belastet wurden. Mit einem gut gemachten Cool-down reduzieren sich die Schlackstoffe im Muskel und deren Abtransport wird gefördert. So erholt sich der Körper schneller und die Wahrscheinlichkeit eines Muskelkaters wird reduziert.

Hier findest du weitere Tipps um deinen Hund vor Verletzungen beim Sport zu schützen

Regeneration

 

Dass die Regeneration genauso wichtig ist wie das Training selbst, wird leider häufig vergessen. Ohne anständige Regeneration füllen sich die Energiedepots nicht genügend auf, der Körper baut ab und die Motivation sinkt.

Außerdem bauen sich Muskeln erst in der Ruhephase auf. Der Hundekörper kann hier nämlich erst das vorangegangene Training verarbeiten und entsprechend Gewebe erneuern und Muskulatur aufbauen.

Achte in der Regenerationsphase darauf, den Hund proteinreich zu ernähren und ihm genügend Wasser anzubieten.

Du kannst den Hund auch aktiv regenerieren lassen, beispielsweise durch Spaziergänge, leichtes Schwimmen, Fahrradtouren oder Spielzeit mit Artgenossen (oder mit dir selbst!).

Studien zufolge soll übrigens Kälte nach intensiven Belastungen gute Wirkungen zeigen. Streichle also gerne mal deinen Hund nach dem Training mit einem Kühlbeutel oder lass ihn ein paar Minuten in kühlem Wasser schwimmen.

 

Abkuehlung im kuehlen Wasser!

Abkühlung im kühlen Wasser, kann die Regeneration unterstützen.

Wichtiges bei Gebrauchshunden

Bei Gebrauchshunden gibt es einige wichtige Dinge, die du als HalterIn beachten musst, vorrangig bei Zähnen und Rücken.

Dass eine gute Zahnhygiene wichtig ist, weißt du bereits. Bei Gebrauchshunden ist dieses Thema aber nochmal deutlich präsenter. Hier solltest du die Zähne wöchentlich kontrollieren, denn bei der Beißarbeit können Probleme entstehen, beispielsweise können sich Splitter im Zahnfleisch verfangen oder sich Zähne lockern. Indem du solche Situationen frühzeitig erkennst, kannst du deinem Hund Traumata ersparen.

Häufig beobachtet man auch Rückenprobleme bei Gebrauchshunden. Am häufigsten sind Verspannungen und Verschiebungen bis hin zu Bandscheibenvorfällen am Übergang von der Brust- zur Lendenwirbelsäule. Auch Probleme an der Halswirbelsäule sind keine Seltenheit.

Dies ist nicht überraschend, da dies die Stellen mit der größten Belastung im Schutzdienst sind. Wichtig ist es daher, die Rücken- und Nackenmuskulatur des Hundes gut zu trainieren, damit der Hund die Belastungen besser kompensieren kann.

Beobachtest du ein Rückenproblem bei deinem Hund (etwa eine andere Haltung) solltest du dies schnellstmöglich abklären und therapieren lassen!

So bleibt dein IPO-Hund gesund

 

Wer einen IPO-Hund hat, möchte diesen (hoffentlich) lange fit und gesund halten. Eine gute Trainingsgrundlage ist daher das A und O. Wichtig ist, dass darauf geachtet wird, den Hund von Anfang an richtig zu bewegen, um Bewegungseinschränkungen minimieren und vorbeugen zu können.

Bei einer akuten Verletzung sollte immer zuerst eine Diagnose vom Tierarzt gestellt werden, um einen individuellen Therapieplan erstellen zu können.

Hier stehen dann verschiedene Möglichkeiten wie Massagen, Traktionen, Lymphdrainage, Dehnung und Stärkung des Bewegungsapparats zur Verfügung. Auch Neurotherapie, Elektro- und Hydrotherapie sind beliebte Behandlungsmöglichkeiten, die sich ausgesprochen positiv auf den Hund auswirken.

Was im Hundesport häufig unterschätzt wird, ist die psychosomatische Belastung des Hundes. Vergiss nicht, dass Hunde ein Schmerzgedächtnis haben! Durch Traumata kann ein Hund lernen, bestimmte Bewegungen zu meiden und sie aus Angst eventuell falsch auszuführen.

Auch nach einer Verletzung, wenn der Hund eine Schonhaltung einnehmen musste, sollte wieder darauf geachtet werden, alle wichtigen Muskelgruppen gleichsam zu trainieren, um eine dauernde Fehlbelastung und eventuelle Folgen zu vermeiden.

 

Du bist generell an dem Thema Hundesport interessiert? Dann schau dir doch mal unsere Ausbildung zum Hundefitnesstrainer an.

 

Photo by Altino Dantas on Unsplash

Vanessa

Da ich mit Hunden aufgewachsen bin, lag es nah, dass ich später was beruflich mit ihnen machen. Viele Jahre später habe ich eine Ausbildung zur Hundephysiotherapeutin gemacht. Kurz darauf absolvierte ich eine Aufschulung zur Hundeosteotherapeutin. Da ich es wichtig finde, den Hund ganzheitlich betrachten zu können, mache ihr zur Zeit eine Ausbildung zur Hundetrainerin und eine zur Tierheilpraktikerin. Immer an meiner Seite sind meine zwei Lieblinge Sam (Schäferhundmix) und Jack (Cattle Dog).

 

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HALLO! ICH BIN PAULINA!

Ich bin zertifizierte Hundeenährungsberaterin, Mutter einer wundervollen Tochter und treue Begleiterin meines Seelenhundes Balou.

Ich habe es mir zur Lebensaufgabe gemacht, Hunde mit der richtigen Ernährung und der Kraft unserer Natur zu einem artgerechteren Leben zu verhelfen.

So konnte ich schon Balous Leben vor 5 Jahren retten. Der Grund, warum es die Dogtisch Academy gibt und du jetzt diesen Artikel liest.

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